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27.05.2019 07:05:04


Herausforderungen des Erwachsenenwerdens

Es ist Donnerstagabend. Heute findet der monatliche Gentlemens* Club statt. Ein Angebot der offenen Jugendarbeit, welches sich nur nach den Bedürfnissen der Jungs* richtet. Dieser Gentlemens Club bildet das Pendant zur Girls* Time, welche bereits seit Jahren fester Bestandteil der Jugendarbeit bildet, jeweils dienstagabends stattfindet und nur für Mädchen* zugänglich ist. Diese getrenntgeschlechtlichen Angebote verfolgen das Ziel, die individuellen Ausgestaltungen der männlichen bzw. weiblichen Geschlechterrolle und somit die Entwicklung einer eigenen Identität der Jugendlichen zu unterstützen. Zwei wesentliche Entwicklungsaufgaben im Jugendalter.

 

Doch wie soll dieses Ziel erreicht werden? Die Jugendarbeit geht den konventionellen Weg. Der heutige Abend soll sich nicht nach den Bedürfnissen und Ideen der Jugendlichen richten, nein. Das Thema für heute wird vorgegeben und behandelt die Frage rund um die Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Dazu wird ein junger erwachsener Mann eingeladen, welcher viele Stationen und Aufgaben hinsichtlich der Entwicklung vom Buben zum jungen Mann durchlaufen hat. Seine Erzählungen bilden den „Aufhänger“, der Jugendarbeitende lenkt die Erzählung mit verschiedenen Leit- und Zwischenfragen. So zumindest sieht es das Konzept vor. Doch werden auch Jungs* kommen? Werden sie sich darauf einlassen, über sich, ihre Fragen und Unsicherheiten zu sprechen?

 

Definitiv ja! An dem besagten Abend treffen im Joy 18 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 20 Jahren ein. Die Stimmung ist anders als sonst. Dies zeigt sich auch an der Ernsthaftigkeit – welche im Übrigen von den Jungs* selbst im Gespräch von den wenigen, kichernden und scheinbar verunsicherten Jugendlichen eingefordert wird. Die besprochenen Themen sind sehr vielfältig. Doch alle haben scheinbar einen gemeinsamen Nenner: Verunsicherung. Unsicherheit in Bezug auf den Kontakt mit Gleichaltrigen, dem Umgang mit Gruppendruck, Ab- und Ausgrenzung. Aber auch mit den gesellschaftlichen Erwartungen und vor allem – das wurde am emotionalsten diskutiert – dem Umgang mit den Erwartungen der eigenen Eltern. „Ich würde heute einen anderen Beruf wählen. Ich habe mich irgendwie zu stark von meinen Eltern beeinflussen lassen.“ Ob er eine Erklärung dafür finde, dass er sich beeinflussen habe lassen, fragt der Jugendarbeitende. „Ich wollte meine Eltern in erster Linie zufrieden stellen und ihnen weitere Enttäuschungen ersparen“ antwortete der Jugendliche. Ein anderer ergänzt: „Ich glaube auch, dass meine Eltern gar nicht so checken, was mich interessiert oder wissen, was es alles gibt. Wenn sie etwas nicht kennen, sind sie sowieso gleich skeptisch. Das ist aber bei allem so. Ich finde, sie sollten uns mehr vertrauen und einfach machen lassen.“ Nickenden Köpfe, der Jugendliche erhält viel Zustimmung. „Ja vor allem, wenn ich so höre, was unsere Väter gemacht haben…“, wirft ein anderer ein. Nun wird es laut, viele lachen und tuscheln.

 

Mir, dem Jugendarbeitenden hat dieser Abend sehr viel gegeben. Ich bin erstaunt darüber, wie sich einige Jugendliche ihrer harten Fassade entledigen konnten und ihre Verunsicherungen mit den anderen teilten. Diesen wiederum konnte ein Stück weit das Gefühl gegeben werden, mit ihren Verunsicherungen nicht alleine zu sein und darin bestärkt werden, über ihre momentanen Herausforderungen und Unsicherheiten zu reden. Und ich als junger Vater, werde mir hinsichtlich der Jugendphase meiner Söhne zumindest einige Aussagen der Jugendlichen zu Herzen nehmen.

 

Philipp Hodel, Jugendarbeit Hitzkirchertal



Datum der Neuigkeit 5. Mai 2019
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