Die Gemeinde ist entschlossen, ihr Zentrum aktiv zu entwickeln. Doch wie soll der Dorfkern der Zukunft aussehen? Darüber diskutierten Gemeindevertreter letzte Woche mit interessierten Einwohnerinnen und Einwohnern.
Bild und Text von Werner Rolli
Die Vorstellungen, wie das Zentrum Hitzkirchs dereinst genutzt werden soll, gehen teils weit auseinander. Manche fürchten zusätzlichen Verkehr, hohe Kosten und dass «Bern» am Ende dreinredet. Manche fragen sich, warum die Zentrumsentwicklung denn so eile. An einem Informations- und Austauschanlass Mitte letzter Woche, wurden diese Punkte angeregt diskutiert.
Das Zentrum von Hitzkirch ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der aufgeführt. Insbesondere die Liegenschaft «Kreuz», wird als erhaltenswerter Bau eingestuft und gilt als prägend für das Ortsbild. Für Hitzkirch bedeutet dies, dass die Gemeinde dem vorliegenden Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission und der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege von 2025 genügend Rechnung tragen muss. Ein Abbruch der Liegenschaft ist nicht gänzlich ausgeschlossen, aber es muss glaubhaft eine ernstzunehmende Interessensabwägung durchlaufen werden, die einen Neubau und deren Mehrwert begründet. Seitens Gemeinde wird in erster Linie der Zustand der Bausubstanz und die damit zusammenhängende finanzielle Tragbarkeit für den Betrieb als herausfordernd beurteilt.
Seit 2019 treibt die Gemeinde die Entwicklung ihres Dorfzentrums aktiv voran. Sie hat dafür fundierte raumplanerische – und Standortanalysen durchgeführt und eine Zentrumskommission gebildet. Die Gemeindeversammlung verabschiedete 2023 den Bebauungsplan Zentrum, der durch die kantonalen Instanzen geprüft und im August 2024 für rechtskräftig erklärt wurde. Dieser dient jetzt als wertvolle Grundlage für die weitere Arbeit.
Im Fokus vom Abend steht die sogenannte Strukturgruppe Kreuz aus dem Bebauungsplan, welche im Prozess das grösste Entwicklungspotential zur Stärkung des Zentrums aufzeigte. Diese besteht aus den drei gemeindeeigenen Grundstücken (Kreuz, Musikschule und Gemeindehaus) und die zwei Parzellen, welche nicht im Besitz der Gemeinde sind («Piriplatz»). Eine bauliche Entwicklung ist primär auf die Parzelle Musikschule und das Kreuz angedacht; das Gemeindehaus bleibt vorübergehend unangetastet. Für eine bauliche Entwicklung wurden einhergehend zum Prozess- Bebauungsplan verschiedene Szenarien untersucht: Die Gemeinde verkauft das Land, baut selbst und vermietet oder gibt diese im Baurecht ab. Hierzu sei aber bisher noch keine politische Entscheidung gefallen, da dies primär mit zukünftigem Angebot und konkreter Nachfrage zusammenhängt. Aufgrund verschiedener öffentlicher Partizipationsveranstaltungen in den vergangenen Jahren kristallisierte sich zudem heraus, dass die Hitzkircher Bevölkerung den Pauliplatz als multifunktionalen Raum erhalten möchte. Dieser soll auch in Zukunft für Veranstaltungen zu Verfügung stehen, gleichzeitig soll er wie bis anhin öffentliche Parkplätze bieten. Somit wird auch die Thematik von ober- und unterirdischen Parkplätzen im Zentrum präsenter für die bauliche Entwicklung. Hier befürchteten mache Teilnehmende mehr Verkehr. Auch die nicht abschliessende Diskussion um eine sinnvolle gesamtheitliche Entwicklung der fünf Parzellen in der Strukturgruppe Kreuz gab Anlass zu Diskussionen.
Das künftige Ortszentrum soll Wohnraum enthalten und gleichzeitig ergänzend Dienstleistungsflächen an geeigneten Lagen bieten. Zudem soll die Gastronomie-Nutzung erhalten bleiben und etablierte Treffpunkte wie der Pétanque Platz gestärkt werden. Auch stehen Wünsche der Offenen Jugendarbeit Hitzkirchertal nach Veranstaltungsorten im Raum. In den Gruppendiskussionen wurde unter anderem diskutiert, mit wem die Gemeinde Gespräche über die künftige Nutzung und Gestaltung führen solle. Hier wurden die Vereine, Senioren, das Gewerbe und Baugenossenschaften genannt. Man dürfe aber auch die (noch) nicht stimmberechtigten Jugendlichen nicht vergessen.
Um die Zentrumsentwicklung jetzt aufzugleisen in dem den denkmalpflegerischen Stellungnahmen aus Bern genügend Rechnung getragen wird, um im Prozess voranzukommen, ist seitens Gemeinde ein zweistufiger Ideenwettbewerb angedacht. In der ersten Phase werden gezielte Teilnehmende Planerteams eingeladen, die Grobentwürfe mit Erkenntnissen, Risiken und Erfordernissen zum Substanzerhalt eruieren. Eine versierte Fachjury begleitet den Prozess und wählt danach die sinnvollsten Konzepte aus der ersten Stufe und lädt zur weiteren präzisen Ausarbeitung mit Projektaussagen in Punkto Baukultur, Realisierbarkeit, Kosten und Machbarkeit. Ziel ist es das Siegerprojekt in der vertieften Ausarbeitung Ende 2028 zu einem Richtprojekt zu überführen, welche die Vorstellungen der Bevölkerung abholt und zugleich die Evaluierung der Realisationspartner offenlässt. Das letzte Wort hat allerdings das Stimmvolk.